Alternativen zu Adobe Premiere Pro unter Linux
Videoschnitt ist unter Linux besser aufgestellt, als die meisten erwarten - hier arbeitet sogar Hollywood. Zwei Programme kommen infrage, und sie richten sich an unterschiedliche Ansprüche.
DaVinci Resolve: das Profiwerkzeug
DaVinci Resolve von Blackmagic Design erscheint nativ für Linux und wird in der Filmindustrie breit eingesetzt. Schnitt, Farbkorrektur, Audio-Postproduktion und visuelle Effekte stecken in einem Programm; die Farbkorrektur gilt als Referenz. Die kostenlose Fassung reicht für die allermeisten Projekte, die kostenpflichtige Studio-Version ergänzt vor allem Rauschminderung, HDR-Werkzeuge und Beschleunigung für mehrere Grafikkarten.
Der Einstieg ist allerdings kein Spaziergang: Resolve denkt in Arbeitsbereichen für Schnitt, Farbe und Ton, und wer aus Premiere kommt, braucht ein paar Tage zur Umgewöhnung.
Kdenlive: der freie Allrounder
Kdenlive ist der pragmatische Gegenentwurf: Mehrspur-Timeline, Übergänge, Effekte, Titelwerkzeug, Proxy-Schnitt für schwächere Rechner. Für YouTube-Videos, Familienfilme, Vereinsprojekte und ambitionierte Kurzfilme reicht es vollkommen, und der Einstieg gelingt in einer Stunde.
Deine Projekte mitnehmen
Hier ist die Antwort unangenehm, aber eindeutig: Laufende Projekte lassen sich nicht sinnvoll übertragen. Premiere-Projektdateien (prproj) öffnet weder Resolve noch Kdenlive verlustfrei. Über den Umweg XML oder AAF kommen bei Resolve die Schnittkanten mit, Effekte, Übergänge und Textelemente dagegen nicht.
Die praktische Empfehlung: Laufende Projekte in Premiere zu Ende bringen, den Wechsel mit einem neuen Projekt beginnen. Das Rohmaterial selbst - die Videodateien - ist davon nicht betroffen und wandert einfach mit.
Codecs: Material von Kameras und Smartphones (H.264, H.265, ProRes) verarbeiten beide Programme problemlos.
Installation
# Kdenlive
flatpak install flathub org.kde.kdenlive
# DaVinci Resolve: Installer von der Herstellerseite laden,
# er wird nicht über die Paketquellen verteilt.
Worauf du achten solltest
Die kostenlose Resolve-Version exportiert unter Linux kein H.264 und H.265 - ein bekanntes Ärgernis, das an Lizenzgebühren für die Codecs liegt. Für YouTube-Videos ist das ein echtes Hindernis. Umgehen lässt es sich, indem man aus Resolve in einem Zwischenformat exportiert und mit ffmpeg oder Handbrake umwandelt. Wer das nicht will, nimmt Kdenlive - dort gibt es diese Einschränkung nicht.
Resolve stellt außerdem spürbare Ansprüche an die Hardware: eine ordentliche Grafikkarte und mindestens 16 GB Arbeitsspeicher sollten es sein. Kdenlive läuft auch auf deutlich schwächeren Rechnern.