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Vergleich

NVIDIA oder AMD: Welche Karte unter Linux weniger nervt

Es gibt ein berühmtes Video, in dem Linus Torvalds, der Erfinder von Linux, NVIDIA vor laufender Kamera den Mittelfinger zeigt. Das war 2012. Seither hat sich viel getan - und trotzdem ist „NVIDIA oder AMD” bis heute die Frage, mit der man in jedem Linux-Forum einen Abend füllen kann. Zeit für eine Antwort, die auf dem Stand von 2026 ist.

Warum es diesen Streit überhaupt gibt

Ein Grafiktreiber ist unter Linux idealerweise Teil des Systems selbst - er liegt im Kernel, wird mit ihm aktualisiert, und alles passt zusammen. AMD und Intel liefern ihre Treiber genau so: quelloffen, im Kernel, ohne dass du je etwas installieren müsstest. Eine frische Distribution erkennt eine Radeon-Karte und nutzt sie sofort mit voller Leistung.

NVIDIA ging jahrzehntelang den anderen Weg: ein eigener, geschlossener Treiber, den man nachträglich installiert und der bei jedem Kernel-Update neu zusammengebaut wird. Passt etwas nicht zusammen, startet der Desktop nicht - und der Neuling steht vor einem schwarzen Bildschirm mit blinkendem Cursor. Daher der Ruf.

Was sich geändert hat

Der Ruf stammt aus einer Zeit, die vorbei ist. Drei Dinge haben sich seit 2022 verschoben:

Quelloffene Kernelmodule. NVIDIA hat 2022 den Kernel-Teil seines Treibers unter freier Lizenz veröffentlicht und liefert ihn seit der Treiberreihe 560 im Jahr 2024 standardmäßig aus. Für die neuesten Karten der RTX-50-Reihe gibt es nur noch diesen Weg. Der Teil, der die Programme mit der Karte sprechen lässt, bleibt geschlossen - aber die Reibung mit dem Kernel ist damit weitgehend verschwunden.

Wayland funktioniert. Jahrelang war NVIDIA der Grund, weshalb Menschen auf dem alten X11 blieben: flackernde Fenster, Ruckler, Abstürze. Seit der Treiberreihe 555 vom Frühjahr 2024 beherrscht der Treiber die Synchronisation, die Wayland braucht. Der Unterschied zu AMD ist auf einem aktuellen System kaum noch spürbar.

Die Distributionen haben gelernt. Ubuntu bietet den Treiber unter „Zusätzliche Treiber” per Mausklick an, Linux Mint in seiner Treiberverwaltung, Fedora über das RPM-Fusion-Depot. Pop!_OS liefert ein eigenes Installationsabbild, auf dem der Treiber schon drauf ist, und Bazzite ebenso. Der schwarze Bildschirm ist zur Ausnahme geworden.

Wo NVIDIA heute noch hakt

Ehrlich bleiben - es gibt sie noch, die Ecken:

Wo NVIDIA besser ist

Das verschweigen die AMD-Fans gern: Wer mit der Grafikkarte arbeitet statt spielt, ist bei NVIDIA besser aufgehoben.

Und Intel?

Intel-Grafik - die in fast jedem Laptop steckt, und seit 2022 auch als eigene Arc-Karten - verhält sich wie AMD: Treiber im Kernel, alles quelloffen, alles läuft. Für Bürorechner und Laptops ist Intel-Grafik unter Linux die stressfreieste Wahl überhaupt. Zum Spielen sind die Arc-Karten brauchbar, aber nicht auf dem Niveau der beiden Großen.

Die Empfehlung

Du … Nimm …
kaufst neu und willst Ruhe AMD - einstecken, läuft
hast eine RTX 20, 30, 40 oder 50 behalten - läuft unter Linux gut
hast eine GTX 900 oder 1000 behalten, aber mit Ablaufdatum - Wechsel in ein bis zwei Jahren einplanen
hast eine GTX 600 oder 700 Distribution mit X11-Desktop oder freier Treiber für Büroarbeit
brauchst CUDA, Resolve oder KI-Modelle NVIDIA - keine Diskussion
brauchst ein Laptop fürs Büro Intel-Grafik reicht und ist am unkompliziertesten
willst das Steam-Deck-Gefühl am Schreibtisch AMD - das Deck ist AMD, die ganze Kette ist darauf abgestimmt

Die Kurzfassung des jahrzehntealten Streits: AMD ist unter Linux die einfachere Karte, NVIDIA die mächtigere. Wer nur spielt und surft, hat mit AMD weniger Aufwand. Wer beruflich mit der Grafikkarte rechnet, braucht NVIDIA und kommt heute damit gut klar - wenn die Karte nicht älter als acht Jahre ist.

Ob deine vorhandene Karte unter Linux läuft, erfährst du ohne Risiko: Live-Stick starten, und wenn der Desktop in voller Auflösung erscheint, ist die Antwort ja.