Snap, Flatpak oder AppImage: Der Streit ums Paketformat
Unter Windows lädst du ein Programm herunter, klickst auf „Weiter, Weiter, Fertig”, und es ist installiert. Unter Linux gibt es dafür klassischerweise die Paketverwaltung der Distribution - und seit einigen Jahren drei zusätzliche Formate, die alle dasselbe Versprechen geben: ein Paket, das auf jeder Distribution läuft. Um diese drei Formate wird gestritten, als ginge es um Religion. Hier ist, worum es tatsächlich geht.
Warum überhaupt neue Formate?
Ein Programm braucht Bibliotheken - Bausteine, die es mit anderen Programmen teilt. Bei der klassischen Paketverwaltung liefert die Distribution diese Bausteine, und das Programm muss zu genau ihrer Version passen. Deshalb gibt es ein Paket für Ubuntu 24.04, eins für Fedora 44, eins für Debian 13 - und ein Entwickler, der sein Programm anbieten will, muss sie alle pflegen.
Snap, Flatpak und AppImage lösen das, indem das Programm seine Bausteine selbst mitbringt. Ein Paket, alle Distributionen. Der Preis: mehr Speicherplatz, weil dieselben Bausteine mehrfach auf der Platte liegen.
Snap - der Weg von Canonical
Snap stammt von Canonical, der Firma hinter Ubuntu. Auf Ubuntu ist es tief verankert: Firefox, Thunderbird und der App-Store selbst kommen als Snap. Snaps aktualisieren sich automatisch, laufen in einer Sandbox und stammen aus einem zentralen Laden, dem Snap Store.
Was dafür spricht: Es funktioniert auf Ubuntu ohne jedes Zutun. Snaps eignen sich nicht nur für Programme mit Oberfläche, sondern auch für Serverdienste und Kommandozeilenwerkzeuge - das kann sonst keins der Formate. Und Canonical hat die einst berüchtigten Startzeiten spürbar verbessert.
Was dagegen spricht: Der Snap Store ist der einzige Laden, und seine Server-Software ist nicht quelloffen. Niemand außer Canonical kann einen Snap Store betreiben. Für viele Linux-Nutzer ist das ein Widerspruch zu dem, weshalb sie Linux nutzen. Dazu kommt: Snaps starten immer noch etwas langsamer als klassische Pakete, und dass Ubuntu ein Snap installiert, wenn du eigentlich ein normales Paket bestellt hast, empfinden viele als Bevormundung.
Linux Mint hat Snap deshalb komplett abgeschaltet. Außerhalb der Ubuntu-Welt ist es praktisch nicht verbreitet.
Flatpak - der Weg der Gemeinschaft
Flatpak ist kein Firmenprodukt, sondern ein Gemeinschaftsprojekt, und sein wichtigster Laden Flathub ist gemeinschaftlich betrieben. Über drei Milliarden Downloads hatte Flathub Mitte 2025 verzeichnet. Fedora, Linux Mint, das Steam Deck, Bazzite, elementary und die meisten anderen Distributionen nutzen es.
Was dafür spricht: Es ist der Standard. Wer ein Programm für Linux herausgibt, veröffentlicht es heute auf Flathub - Spotify, Discord, Zoom, OBS, Blender, alles dort. Die Sandbox ist fein einstellbar: Mit dem Werkzeug Flatseal bestimmst du, welches Programm auf welche Ordner zugreifen darf. Und es gibt keine Abhängigkeit von einem Konzern; jeder kann ein eigenes Flatpak-Depot betreiben.
Was dagegen spricht: Flatpaks brauchen Speicherplatz - gemeinsame Laufzeitumgebungen, von denen mehrere nebeneinander liegen können, kosten schnell zwei bis vier Gigabyte. Die Sandbox stört gelegentlich: Ein Programm sieht deinen Ordner nicht, ein Thema wird nicht übernommen, ein Passwort-Manager findet den Browser nicht. Das ist fast immer lösbar, aber es ist Reibung. Und Flatpak eignet sich nur für Programme mit Oberfläche - für Kommandozeilenwerkzeuge und Dienste taugt es nicht.
AppImage - der Weg ohne Installation
Ein AppImage ist eine einzelne Datei. Herunterladen, ausführbar machen, doppelklicken - fertig. Keine Installation, kein Laden, keine Sandbox. Es ist das Linux-Äquivalent zu einer portablen Windows-Anwendung auf dem USB-Stick.
Was dafür spricht: Die Einfachheit. Ein AppImage läuft, wo du es hinlegst, und hinterlässt keine Spuren im System. Für Werkzeuge, die du einmal im Monat brauchst, oder für Programme, die du auf mehreren Rechnern vom Stick starten willst, ist das ideal.
Was dagegen spricht: Alles, was die anderen beiden Formate ausmacht, fehlt. Keine automatischen Updates - du lädst die neue Version selbst herunter. Keine Sandbox - das Programm darf alles, was du darfst. Keine Einbindung ins Startmenü, wenn du sie nicht nachrüstest. Und die Formatgrundlage bricht gelegentlich: Ältere AppImages brauchen eine Bibliothek, die neuere Ubuntu-Versionen nicht mehr mitbringen.
Und das gute alte Paket?
Nicht vergessen: Die Paketverwaltung der Distribution - APT bei Ubuntu und Mint, DNF bei Fedora, Pacman bei Arch - ist nach wie vor der beste Weg für alles, was zum System gehört: Treiber, Bibliotheken, Werkzeuge, Desktop. Sie ist am schnellsten, am sparsamsten und am besten geprüft. Die drei Universalformate sind für Anwendungsprogramme gedacht, nicht als Ersatz für das Fundament.
Der Vergleich
| Snap | Flatpak | AppImage | |
|---|---|---|---|
| Hinter dem Format | Canonical | Gemeinschaft | Gemeinschaft |
| Laden | Snap Store (nur einer) | Flathub und beliebige Depots | keiner - eine Datei |
| Sandbox | ja | ja, fein einstellbar | nein |
| Automatische Updates | ja | ja | nein |
| Speicherbedarf | hoch | hoch | mittel |
| Startzeit | leicht verzögert | normal | normal |
| Kommandozeile und Dienste | ja | nein | nein |
| Verbreitung | Ubuntu | fast überall | Nischen |
Die Empfehlung
Nimm, was deine Distribution dir vorgibt, und denk nicht weiter darüber nach. Auf Ubuntu funktioniert Snap, auf allem anderen funktioniert Flatpak. Beide sind für den Alltag vollkommen brauchbar, und die Sandbox ist ein echter Gewinn gegenüber Windows, wo jedes Programm nach der Installation alles darf.
Wenn du aber wählen kannst: Flatpak. Es ist das Format mit der breitesten Unterstützung, dem größten Laden und ohne Abhängigkeit von einer einzelnen Firma. Selbst auf Ubuntu lässt sich Flatpak in fünf Minuten nachrüsten.
AppImage bleibt für die Spezialfälle: das Werkzeug vom Stick, die Software, die nur so angeboten wird, das Programm, das du einmal testen willst, ohne es zu installieren.
Und wenn du wissen willst, ob dein Lieblingsprogramm überhaupt unter Linux läuft, egal in welchem Format: Das steht bei „Läuft das unter Linux?“.