Anleitung

Wine einrichten: Windows-Programme unter Linux nutzen

Beim Umstieg auf Linux bleibt fast immer ein Programm übrig, für das es partout keinen Ersatz gibt - die Branchensoftware, das Steuerprogramm, das eine alte Werkzeug, das seit 2011 niemand mehr pflegt. Für genau diese Fälle gibt es Wine.

Wine ist kein Emulator

Der Name ist ein Wortspiel: „Wine Is Not an Emulator”. Und das stimmt - Wine ahmt keinen Rechner nach, sondern übersetzt die Anfragen eines Windows-Programms direkt in Linux-Aufrufe. Deshalb gibt es kaum Geschwindigkeitsverlust, und man braucht keine Windows-Lizenz.

Das Projekt gibt es seit 1993. Im Januar 2026 erschien Wine 11.0 mit rund 6.300 Änderungen, darunter zwei größere Umbauten: die abgeschlossene WoW64-Architektur (32-Bit-Programme laufen ohne separate 32-Bit-Bibliotheken) und NTSYNC, das die Windows-Synchronisierung im Linux-Kernel nachbildet und spürbar Leistung bringt.

Installation

Fast jede Distribution hat Wine in den Paketquellen:

# Ubuntu, Linux Mint, Zorin OS, Pop!_OS
sudo apt install wine

# Fedora
sudo dnf install wine

# Arch, Manjaro (multilib-Repository muss aktiv sein)
sudo pacman -S wine

# openSUSE
sudo zypper install wine

Die Paketquellen hinken der Entwicklung aber oft hinterher. Wer die neueste Fassung will, bindet die offiziellen WineHQ-Repositories ein - die Anleitung dazu steht bei WineHQ für jede Distribution.

Bottles: der bequeme Weg

Wine pur bedeutet Konfigurationsdateien und Kommandozeile. Bottles legt eine aufgeräumte Oberfläche darüber und ist für Einsteiger die klar bessere Wahl:

flatpak install flathub com.usebottles.bottles

Der entscheidende Vorteil ist das Konzept der Flaschen: Jedes Programm bekommt seine eigene, abgeschottete Windows-Umgebung. Zerschießt eine Anwendung ihre Installation, sind die anderen unberührt - und man kann eine Flasche einfach löschen und neu anlegen, statt zu suchen, was kaputt ging.

So gehst du vor:

  1. Bottles öffnen und eine neue Flasche anlegen - als Typ Anwendung für normale Programme, Gaming für Spiele
  2. Im Reiter Programme auf Ausführbare Datei hinzufügen klicken und die .exe auswählen
  3. Fehlt etwas, unter Abhängigkeiten nachinstallieren - typischerweise corefonts für die Windows-Schriftarten oder dotnet48 für .NET-Programme

Was Bottles hier im Hintergrund erledigt, macht auf der Kommandozeile das Werkzeug Winetricks: Es lädt fehlende Windows-Bibliotheken, Schriftarten und Laufzeitumgebungen nach. Wer ohne grafische Oberfläche arbeitet, installiert es über die Paketverwaltung und ruft es mit winetricks corefonts auf.

Vorher nachschauen: die AppDB

Ob ein bestimmtes Programm läuft, verrät die WineHQ AppDB. Dort bewerten Nutzer tausende Anwendungen:

Einstufung Bedeutung
Platin Läuft unverändert, wie unter Windows
Gold Läuft einwandfrei, braucht aber eine kleine Anpassung
Silber Läuft mit kleineren Fehlern
Bronze Läuft, aber mit deutlichen Problemen
Garbage Startet nicht oder ist unbenutzbar

Was zuverlässig funktioniert

Erfahrungsgemäß laufen diese Kategorien gut:

Wo Wine an Grenzen stößt

Ehrlich bleiben lohnt sich, damit niemand Stunden in einen aussichtslosen Fall steckt:

Der Plan B: virtuelle Maschine

Wenn Wine scheitert und das Programm unverzichtbar ist, bleibt eine virtuelle Maschine mit echtem Windows - etwa mit GNOME Boxes oder virt-manager. Das kostet eine Windows-Lizenz und Arbeitsspeicher, funktioniert dafür aber garantiert.

Ein guter Weg für den Umstieg: Erst in der Alternativen-Übersicht schauen, ob es ohnehin einen nativen Ersatz gibt. Wenn nicht, Wine probieren. Und erst als letzten Schritt die virtuelle Maschine.