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Proton: Windows-Spiele unter Linux zocken

Wenn Menschen heute überrascht sind, wie gut Spiele unter Linux laufen, steckt fast immer Proton dahinter. Valve hat die Übersetzungsschicht ursprünglich für das Steam Deck gebaut - aber sie ist quelloffen und läuft auf jeder Distribution, egal ob Ubuntu, Fedora oder Arch.

Was Proton eigentlich macht

Proton übersetzt in Echtzeit, was ein Windows-Spiel vom Betriebssystem verlangt, in das, was Linux versteht. Es baut auf Wine auf und ergänzt es um die Teile, auf die es beim Spielen ankommt:

Kein Emulator also - die Spiele laufen mit voller Geschwindigkeit auf der eigenen Hardware. In manchen Fällen sogar schneller als unter Windows.

Schritt 1: Steam installieren

Steam liegt bei den meisten Distributionen in den Paketquellen:

# Ubuntu, Linux Mint, Zorin OS, Pop!_OS
sudo apt install steam

# Fedora (vorher RPM Fusion aktivieren)
sudo dnf install steam

# Arch, Manjaro (multilib-Repository muss aktiv sein)
sudo pacman -S steam

# openSUSE
sudo zypper install steam

Wer die Paketquellen umgehen will, nimmt die Flatpak-Fassung - die funktioniert überall gleich:

flatpak install flathub com.valvesoftware.Steam

Schritt 2: Proton einschalten

Das ist der entscheidende Handgriff, und er dauert zehn Sekunden:

  1. Steam öffnen und oben links auf Steam → Einstellungen gehen
  2. Den Punkt Compatibility (Kompatibilität) auswählen
  3. Steam Play für alle anderen Titel aktivieren anhaken
  4. Als Version das neueste Proton auswählen und Steam neu starten

Ab jetzt lässt sich in der Bibliothek auch das installieren, was eigentlich nur für Windows angeboten wird.

Schritt 3: Vorher nachschauen, ob es läuft

Bevor du 60 GB herunterlädst: Auf ProtonDB berichten Spieler, wie gut einzelne Titel laufen. Die Bewertungen reichen von Platin (läuft ohne jeden Eingriff) bis Borked (läuft gar nicht). Oft stehen dort auch Startparameter, die ein hakendes Spiel flott machen.

Der wichtigste Stolperstein sind nicht die Spiele selbst, sondern der Kopierschutz. Einige Anti-Cheat-Systeme in Mehrspieler-Titeln - etwa in Fortnite, Valorant oder Destiny 2 - sperren Linux bewusst aus. Das ist keine technische Hürde, sondern eine Entscheidung der Hersteller: Sowohl EasyAntiCheat als auch BattlEye unterstützen Linux, die Studios müssen die Unterstützung nur aktivieren. Viele tun das (Apex Legends zeitweise, War Thunder, Elden Ring), andere nicht.

Schritt 4: Proton GE für hartnäckige Fälle

Neben Valves offizieller Fassung gibt es Proton GE von Community-Entwickler Glorious Eggroll - eine Variante mit zusätzlichen Codecs und Fehlerbehebungen, die Valve aus Lizenzgründen nicht ausliefern kann. Damit laufen etliche Spiele, die mit dem Standard-Proton zicken, gerade solche mit Videosequenzen.

Am einfachsten geht die Installation mit ProtonUp-Qt:

flatpak install flathub net.davidotek.pupgui2

Im Programm wählst du Steam aus, klickst auf Version hinzufügen und suchst dir die neueste GE-Fassung. Danach lässt sie sich in Steam pro Spiel unter Eigenschaften → Kompatibilität auswählen.

Schritt 5: Spiele ohne Steam

Proton kann auch außerhalb von Steam genutzt werden - dafür gibt es zwei ausgezeichnete Programme:

Lutris ist die Schaltzentrale für alles andere: GOG, Battle.net, ältere Windows-Spiele von CD oder Emulatoren. Die Community pflegt Installationsskripte, die im Hintergrund die richtige Konfiguration setzen.

flatpak install flathub net.lutris.Lutris

Heroic Games Launcher ist die freie Alternative zu den Startprogrammen von Epic Games, GOG und Amazon - inklusive Cloud-Speicherständen und Proton-Auswahl pro Spiel.

flatpak install flathub com.heroicgameslauncher.hgl

Was du realistisch erwarten kannst

Der Großteil der Einzelspieler-Titel läuft heute ohne jede Bastelei - Installieren, Starten, Spielen. Bei Mehrspieler-Titeln mit Anti-Cheat entscheidet der Hersteller, und da lohnt der Blick auf areweanticheatyet.com, bevor man sich ärgert.

Wer beim Aufsetzen die Wahl hat: Eine Distribution mit aktuellen Grafiktreibern erspart Arbeit. Pop!_OS bringt den NVIDIA-Treiber schon mit, Manjaro und Fedora liefern durchweg frische Kernel und Mesa-Versionen. Und wer den Rechner ohnehin nur zum Spielen nutzt, findet in SteamOS das System, für das Proton ursprünglich gebaut wurde.