Windows 10 ist am Ende: vier Wege und ihre Kosten
Am 14. Oktober 2025 hat Microsoft den regulären Support für Windows 10 beendet. Allein in Deutschland betrifft das nach Schätzung der Verbraucherzentrale über 30 Millionen Rechner. Wer noch Windows 10 nutzt, hat vier Möglichkeiten - und keine davon ist für alle die richtige.
Dieser Beitrag steht auf einer Linux-Seite, deshalb vorweg: Linux ist nicht für jeden die Antwort. Die anderen drei Wege sind für viele Menschen die vernünftigere Wahl. Hier stehen alle vier nebeneinander, damit du selbst entscheiden kannst.
Wo wir gerade stehen
Der Reihe nach, weil dazu viel Halbwissen kursiert:
- 14. Oktober 2025 - regulärer Support beendet, keine kostenlosen Sicherheitsupdates mehr
- Seit dann - verlängerte Sicherheitsupdates (ESU) als Übergangslösung
- 25. Juni 2026 - Microsoft verlängert die kostenlosen ESU für Privatnutzer im Europäischen Wirtschaftsraum erneut
- 12. Oktober 2027 - dann ist endgültig Schluss
Wichtig: Dein Rechner hört nicht auf zu funktionieren. Windows 10 startet weiter, deine Programme laufen weiter. Was fehlt, sind Sicherheitsupdates - und damit wird der Rechner mit jedem Monat angreifbarer. Ein ungepatchtes System am Internet ist auf Dauer keine gute Idee, besonders beim Online-Banking.
Weg 1: Die kostenlosen Updates verlängern
Für Privatnutzer im Europäischen Wirtschaftsraum - Deutschland, Österreich und die EU-Staaten eingeschlossen - sind die verlängerten Sicherheitsupdates kostenlos. Das war nicht immer so: Ursprünglich wollte Microsoft dafür Geld oder die Nutzung eigener Dienste verlangen, europäische Verbraucherschützer haben das gekippt.
So meldest du dich an:
- Sicherstellen, dass Windows 10 Version 22H2 installiert ist (unter Einstellungen → System → Info)
- Alle ausstehenden Updates installieren
- Unter Einstellungen → Update und Sicherheit → Windows Update erscheint der Punkt „Jetzt registrieren”
- Dem Assistenten folgen
Der Haken: Es wird ein Microsoft-Konto verlangt, auch hierzulande - ein lokales Konto genügt nicht. Und du musst dich mindestens alle 60 Tage damit anmelden, sonst fällst du aus dem Programm. Wer bewusst ohne Microsoft-Konto arbeitet, zahlt hier also mit etwas anderem als Geld.
Für wen das passt: Für alle, die Zeit brauchen. Das ist kein Dauerzustand, aber ein sauberer Aufschub bis Oktober 2027 - genug Zeit, um in Ruhe zu entscheiden.
Weg 2: Auf Windows 11 wechseln
Wenn deine Hardware mitspielt, ist das der Weg des geringsten Widerstands: Alle Programme laufen weiter, du musst nichts Neues lernen.
Windows 11 verlangt allerdings:
- TPM 2.0 - ein Sicherheitschip, den viele Rechner vor 2018 nicht haben
- Secure Boot
- Eine unterstützte CPU - grob ab Intel Core der 8. Generation oder AMD Ryzen 2000
Ob dein Gerät die Hürden nimmt, verrät die PC-Integritätsprüfung von Microsoft. Es kursieren Anleitungen, wie man Windows 11 auch auf nicht unterstützter Hardware installiert - davon würde ich abraten: Microsoft behält sich vor, solchen Installationen Updates zu verweigern, und dann stehst du in einem Jahr wieder am selben Punkt.
Für wen das passt: Für alle mit Hardware ab etwa 2018, die bei Windows bleiben wollen.
Weg 3: Ein neuer Rechner
Die teuerste Lösung, aber manchmal die richtige - etwa wenn das Gerät ohnehin lahmt oder der Akku hinüber ist.
Was dagegen spricht: Millionen funktionierender Rechner scheitern nicht an ihrer Leistung, sondern an einer fehlenden Chip-Anforderung. Ein Laptop von 2017 mit acht Gigabyte Arbeitsspeicher und SSD ist für Büroarbeit und Surfen völlig ausreichend. Ihn wegen Windows 11 zu ersetzen, kostet Geld und produziert Elektroschrott.
Für wen das passt: Für alle, deren Gerät wirklich am Ende ist.
Weg 4: Auf Linux umsteigen
Genau hier wird Linux interessant - nicht aus Ideologie, sondern weil es das einzige Angebot ist, das brauchbare Hardware weiterleben lässt. Moderne Distributionen laufen flüssig auf Geräten, die Windows 11 ablehnt, kosten nichts und bekommen jahrelang Sicherheitsupdates.
Was gut funktioniert:
- Surfen, E-Mail, Office, Videos, Fotos - alles da, alles kostenlos
- Ältere Hardware wird spürbar schneller als unter Windows
- Kein Zwangskonto, keine Werbung im Startmenü, keine Telemetrie
- Spielen läuft dank Proton besser, als die meisten erwarten
Was nicht funktioniert - ehrlich gesagt:
- Adobe Creative Cloud läuft nicht. Wer Photoshop oder Premiere beruflich braucht, sollte bei Windows bleiben - auch wenn es gute Alternativen gibt.
- Microsoft Office als Programm läuft nicht; im Browser dagegen schon.
- Spiele mit strengem Anti-Cheat - etwa Fortnite oder Valorant - sind gesperrt, das ist eine Entscheidung der Hersteller.
- Spezielle Branchensoftware - Steuerprogramme, Praxis- oder Kanzleisoftware - meist Fehlanzeige. Manches lässt sich mit Wine überreden, vieles nicht.
Für wen das passt: Für alle, deren Alltag aus Browser, Office, Medien und Spielen besteht - und das ist die große Mehrheit.
Und jetzt?
Eine grobe Orientierung:
| Deine Lage | Sinnvollster Weg |
|---|---|
| Rechner von 2018 oder neuer, willst bei Windows bleiben | Windows 11 |
| Du brauchst Adobe oder spezielle Fachsoftware | Windows 11, notfalls neuer Rechner |
| Rechner läuft gut, ist aber zu alt für Windows 11 | Linux |
| Du willst erst mal nichts entscheiden | ESU aktivieren, in Ruhe überlegen |
| Gerät ist ohnehin am Ende | Neu kaufen - gern mit Linux darauf |
Der wichtigste Rat: Du musst dich nicht sofort entscheiden. Mit den verlängerten Updates hast du bis Oktober 2027 Zeit.
Und falls Linux in die engere Wahl kommt: Du kannst es von einem USB-Stick ausprobieren, ohne etwas zu installieren. Das System startet vom Stick, du klickst dich durch, und wenn es dir nicht gefällt, ziehst du ihn ab - auf der Festplatte hat sich nichts verändert. Welche Distribution zu dir passt, findest du mit dem Linux-Finder in zehn Fragen heraus.