NixOS
Das ganze System als eine Textdatei
Anderes Grundprinzip als jedes andere System hier - wer nur ein Linux sucht, ist woanders besser aufgehoben.
NixOS macht etwas, das keine andere verbreitete Distribution tut: Der komplette Rechner steht in einer Textdatei. Welche Programme installiert sind, welche Dienste laufen, wie das Netzwerk eingerichtet ist, welcher Desktop startet - alles in configuration.nix. Ein Befehl, und das System sieht genau so aus, wie es dort beschrieben ist.
Was daran besonders ist
Der Rechner ist wiederherstellbar. Wer die Konfigurationsdatei sichert, kann auf einem neuen Rechner denselben Zustand herstellen. Nicht „ungefähr dasselbe”, sondern dieselben Programmversionen mit denselben Einstellungen. Für Leute mit mehreren Rechnern ist das der eigentliche Grund umzusteigen.
Updates gehen nicht halb schief. Ein Update wird entweder ganz übernommen oder gar nicht. Es gibt keinen Zwischenzustand, in dem die Hälfte der Pakete neu und die andere alt ist - jene Situation, die bei anderen Systemen nach einem Stromausfall mitten im Update entsteht.
Der Rückweg steht im Bootmenü. Jede Änderung erzeugt einen neuen Systemstand, die alten bleiben erhalten. Geht etwas schief, wählt man beim Neustart einfach den vorherigen aus. Kein Wiederherstellungspunkt, den man vorher hätte anlegen müssen - NixOS macht das immer.
Ausprobieren ohne Reue. Mit nix-shell -p programm startet man eine Umgebung, in der ein Programm verfügbar ist. Schließt man sie, ist nichts installiert geblieben. Wer viel testet, schätzt das sehr.
Wo es wehtut
Die Lernkurve ist steil, und zwar wirklich. Nix ist eine eigene Programmiersprache, und man kommt nicht darum herum, sie in Grundzügen zu lernen. Was anderswo ein Befehl ist, ist hier ein Eintrag in einer Datei mit eigener Syntax.
Anleitungen aus dem Netz passen nicht. Praktisch jede Linux-Anleitung sagt: Bearbeite diese Datei unter /etc, führe jenen Befehl aus. Unter NixOS funktioniert das nicht, weil das System diese Dateien selbst erzeugt. Man muss jede Anleitung übersetzen.
Software außerhalb der Paketverwaltung ist mühsam. Ein heruntergeladenes Programm startet oft nicht, weil NixOS die Verzeichnisstruktur anders anlegt als andere Systeme. Es gibt Wege darum herum, aber sie kosten Zeit.
Die Dokumentation hinkt hinterher. Das Projekt ist schneller gewachsen als seine Handbücher. Vieles findet man nur im Forum oder im Quelltext der Paketsammlung.
Für wen es sich lohnt
Für Entwickler, die für jedes Projekt eine eigene Arbeitsumgebung brauchen. Für Leute, die mehrere Rechner gleich einrichten wollen. Für alle, die ihr System gern versionieren wie Quelltext.
Nicht geeignet als erstes Linux. Wer von Windows kommt und ein System sucht, das einfach läuft, nimmt Linux Mint oder Ubuntu. NixOS ist kein besseres Linux, sondern ein grundsätzlich anderer Ansatz - und dieser Ansatz lohnt sich erst, wenn man das Problem kennt, das er löst.